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Spätgotische Madonna

Da unsere Pfarrgemeinde erst auf eine knapp 40jährige Geschichte zurückblicken kann, hat sie nicht in so reichem Maße alte Kunstschätze aufzuweisen wie die älteren Pfarreien in der Umgebung. Eine beachtenswerte Ausnahme stellen die beiden Madonnenstatuen dar, die zu unseren besonderen Kostbarkeiten zählen. Wenn sie auch nicht zu vergleichen sind mit den Werken der großen fränkischen Künstler, so sind sie doch für uns von besonderem Wert. Denn sie weisen auf die Geschichte des Katholizismus in Alterlangen hin. Beide Figuren stammen ja aus hiesigen Familien und sind vielleicht sogar in ihrem Auftrag entstanden, jedenfalls schon lange in Alterlanger Familienbesitz. Durch großzügige Stiftungen in der Gründungszeit der Pfarrgemeinde sind sie nun in der Heinrichskirche der ganzen Gemeinde als Bereicherung und Ausdruck ihres Glaubens aufgestellt.

In der "Marienkapelle" am Turmeingang schmückt die spätgotische Madonna den Meditationsraum, der dem privaten Gebet dient und für den Gottesdienst in kleinen Gruppen am Werktag genutzt wird. Maria ist dargestellt als Königin mit Krone und Zepter. Sie reicht dem Beter ihr Kind Jesus entgegen, Maria weist immer hin auf ihn, von dem all ihre Würde kommt. Während Maria ruhig und zurückhaltend in den Raum schaut, lässt der lebendige Gesichtsausdruck Jesus als den erscheinen, der uns ansprechen möchte. Er ist ja das lebendige Wort, das Gott in die Welt gesandt hat. Er spricht auch heute zu uns durch das Wort der Verkündigung. Deshalb reicht er uns die aufgeschlagene Heilige Schrift und weist damit hin auf das Wort des Evangeliums, das Licht und Leben schenkt. Maria mit dem Kind steht auf der nach unten gerichteten Mondsichel, unter der der Kopf eines Menschen liegt. Bild für das Böse, das in der Welt so mächtig ist? Dann dürfen wir hier einen Hinweis auf das Protoevangelium erblicken, das uns im Buch Genesis verkündet wird (Gen 3,14 f): "Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange:...Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse." Dann dürfen wir in diesem Kind vor allem den sehen, der durch die Verkündigung des Evangeliums und durch seine Lebenshingabe das Böse überwunden und die Gottesherrschaft aufgerichtet hat.